
Ich will kein schlechtes Gewissen vom Kartengerät!
Kontra von Céline Sallustio
Am liebsten hole ich mir meinen Hafermilch-Cappuccino an der Theke einer Baristakette. Wenn ich dort bargeldlos bezahle, schlägt das Kartengerät ein Trinkgeld vor: 10 Prozent, 15 Prozent, 20 Prozent – oder gar kein Trinkgeld. In diesen Momenten wird mir unsere Zweiklassengesellschaft vor Augen geführt: Niemals kämen wir auf die Idee, einem Arzt oder einer Pilotin Trinkgeld zu geben, weil hier das Gehalt schon stimmt. Vor dem Kartengerät aber werden die Unebenheiten des sozialen Gefüges deutlich. Deshalb beschleicht mich jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich das Trinkgeld ablehne.