
Der Hilferuf an den Beobachter
«Was, wenn es zu spät ist?» – eine Frage wie eine Alarmglocke. So beginnt der Brief, den Christine Schneider ein paar Wochen zuvor an den Beobachter geschrieben hat. Die Verzweiflung, die aus den beiden sauber getippten Seiten spricht, ist existenziell. Die 36-Jährige beschreibt darin ihre Tage und Nächte; das ständige Rennen, Funktionieren, Stillen, Abpumpen. Sie hat keine Zeit fürs Essen, fürs Duschen – vom Schlaf ganz zu schweigen. Es ist auch eine Anklageschrift, die sie verfasst hat. Gegen ihre Krankenkasse, die Visana. «Langsam, aber sicher platzt mir der Kragen», schreibt Schneider.

