
1 • Warum man nicht mehrere Erkältungsinfektionen gleichzeitig bekommt – auch wenn man vielen Viren ausgesetzt ist
Man ist erkältet – und trifft dann abends den verschnupften Freund. Ist das Immunsystem nun so geschwächt durch die bestehende Infektion, dass man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zusätzlich mit dem nächsten Erreger ansteckt?
Zum Glück ist das Gegenteil der Fall. «Für Viren ist es schwieriger, in Zellen einzudringen, wenn diese bereits von einem anderen Virus infiziert sind», sagt Christian Münz, Professor für Virale Immunbiologie an der Universität Zürich.
Das liegt zum einen daran, dass die Kapazität zur Virusproduktion quasi schon von einem Konkurrenten beansprucht wird und dieser einen Vorsprung hat.
«Wichtiger ist aber das angeborene Immunsystem, das Botenstoffe aussendet, die alle Zellen in der Umgebung in einen Alarmzustand versetzen», sagt Münz. Durch die sogenannten Typ-1-Interferone werden die Zellen in eine Art Lockdown versetzt, der eine Virusvermehrung generell erschwert. Auch Doppelinfektionen etwa mit dem Influenza- und dem Coronavirus sind deshalb sehr selten.
«Trotzdem wird die Grippeschutzimpfung empfohlen», sagt Münz. «Zum einen, um einer Überlastung des Gesundheitssystems vorzubeugen, zum anderen, um die Lunge vor längerfristigen Schäden zu bewahren, die eine spätere Infektion mit Sars-CoV-2 verkomplizieren könnten.»
Der Schutz vor viralen Folgeinfektionen bedeutet nicht, dass man, sobald man erkältet ist, sich nicht mehr um Hygiene kümmern muss. Erstens sollte man seine Umgebung vor einer Infektion schützen, zweitens sind Zweitinfektionen mit Bakterien möglich, wenn die Schleimhautbarriere durch eine virale Atemwegserkrankung geschwächt ist.

